Über PIA

Was ist PIA?

PIA ist ein von Prof. Dr. Veith Tiemann entwickeltes Ranglistensystem im Polosport. Es wurde geschaffen im Hinblick auf den Vorstandsbeschluss des Deutschen Polo Verbandes DPV, das frühere, vom Polomagazin POLO YARDS entwickelte DPV-Ranking auszusetzen und das Rankingsystem im Deutschen Polosport neu zu definieren.
Während das Polo-Handicap der Aktiven über deren Spielstärke Auskunft gibt, erfasst PIA die konkreten Turniererfolge einer Amateurspielerin oder eines Amateurspielers während einer Saison unter Einbeziehung der folgenden Faktoren:

  • Turnierhandicap
  • Anzahl der teilnehmenden Teams
  • Eigenes Teamhandicap
  • Anzahl der Profis im eigenen Team
  • Leistungshomogenität im eigenen Team
  • Erreichte Platzierung

Alle Spieler eines turnierteilnehmenden Teams erhalten dabei für den gemeinsam errungenen Erfolg stets die gleiche Punktzahl – die Bewertung von Einzelleistungen erfolgt im Polo ja allein durch die Wahl eines “most valuable players” eines Turniers. Würde ein Poloteam in unveränderter Besetzung die Saison durchspielen, hätten am Saisonende alle Spieler dieses Teams die gleiche Punktzahl. Da sich Poloteams aber oftmals von Turnier zu Turnier neu formieren, vereint am Ende die Spielerin oder der Spieler die meisten PIA-Punkte auf sich, der während einer Saison am häufigsten in den jeweils am besten abschneidenden Teams gespielt hat.

Wer profitiert vom PIA-Rankingsystem?

Das PIA-Ranking legt einen klaren Schwerpunkt auf das so genannte “Grassroots-Polo”: Während Profispieler von vornherein nicht gewertet, sondern nur der Vollständigkeit halber mitgezählt werden, bevorzugt die Rechenmethode zudem den Typus des  fleissigen Amateurspielers, der ohne Profi-Unterstützung in Teams mit möglichst einheitlichem Leistungsniveau spielt. Wer hingegen typisches “Patron Polo” spielt, also als spielschwacher Amateur “seine” Turniere unter beträchtlichem finanziellen Aufwand durch hochbezahlte Profis gewinnen lässt, hat im PIA-Ranking kaum eine Chance auf vordere Plätze. So kommt es regelmäßig vor, dass ein durch Eigenleistung engagierter Amateure erzielter zweiter Platz bei einem Low-Goal-Turnier dem Team mehr Punkte einbringt als ein mit Hilfe von Profis erzielter Turniersieg im High Goal.

PIA – wie wird gerechnet?

Die Berechnung innerhalb von PIA kann jeder selbst ausprobieren und für jede Turnier- und Teamsituation ausprobieren, wieviel PIA-Punkte jedes Teammitglied bekäme – probieren Sie den myPIA-Kalkulator hier aus!

Zu den mathematischen Details:

  1. Der erzielbare PIA Score für eine Turnierplatzierung berücksichtigt und gewichtet zwei turnierbezogene und zwei teambezogene Faktoren: Den Turnierscore = Anzahl der teilnehmenden Teams und maximales Turnierhandicap, sowie den Teamscore = Erreichte Platzierung und Homogenität der Handicaps im Team.
  2. Im Turnierscore wird die Anzahl der Teams mit 25%, das höchstzulässige Teamhandicap und damit der Schwierigkeitsgrad des Turniers mit 75% berücksichtigt.
  3. Beim Teamscore steht die Homogenität des Teams im Vordergrund, er wird errechnet aus der statistischen Streuung der Handicaps im Team: Die Streuung ist günstigstenfalls 0  wenn alle Spieler das gleiche Handicap tragen  und hächstens 6,928, wenn zwei Spieler eine -2 spielen und die beiden anderen eine +10.
  4. Turnierscore und Teamscore modifizieren die Punkte für die tatsächliche Platzierung, wobei es für einen Sieg 100 Punkte gibt, für den zweiten Platz 80, für den dritten 60, für den vierten dann 50, und danach so weiter in Zehner-Schritten.
  5. Der so errechnete Punktwert wird zum Schluß noch um die um den Profi-Faktor korrigiert: Für jeden Profi im Team vermindert sich der erzielte Punktwert um 10 Punkte. Das Resultat ist der PIA-Score des Teams, der den Spielern für das jeweilige Turnier gutgeschrieben wird.

PIA ausführlich – Interview mit Prof. Dr Veith Tiemann

Mit dem Polo Ranking der Amateure, kurz PIA, wurde erstmals eine Rangliste aller Polospieler geschaffen, die in Deutschland Turniere spielen. PIA wurde dabei als Standard zur Erfassung und Bewertung der Turnierleistungen speziell von Amateurspielern entwickelt. Die Grundlagen hierzu schuf der Statistiker und Datenanalytiker Prof. Dr. Veith Tiemann, der im folgenden Interview mit dem Polomagazin PACE die Grundlagen von PIA vorstellt.

PACE: Herr Professor Tiemann, verstehen Sie eigentlich etwas von Polo?
Tiemann: Nein. Ich habe auch noch nie ein Spiel gesehen. Um ehrlich zu sein: Ich war überrascht, in welchem Umfang in Deutschland mittlerweile wieder Polo gespielt wird.

PACE: Wie sind sie dann an die Aufgabe herangegangen, ein Ranking-System für Poloamateure zu entwickeln?
Tiemann: Nun, einerseits gibt es die beschreibende Statistik: Was passiert, was habe ich für Daten, wie kann ich diese optimal erfassen und verdichten? Andererseits gibt es die induktive Statistik: Wenn sich diese oder jene Stichprobe so und so verhält, was sagt mir das über die Gesamtheit des betrachteten Gegenstandes? Einer meiner Schwerpunkte ist das so genannte data mining, das gewissermaßen die oben genannten Felder verbindet, um Zusammenhänge oder Unterschiede zwischen Daten aufzuzeigen und deren Aussagekraft zu bewerten. Dabei heraus kommt eine Theorie, eine hypothetisches Bild von der Wirklichkeit, das sich dann nach und nach beweisen muss. Im Sport heißt diese Theorie dann zum Beispiel: Dieser oder jener Spieler ist so und so stark. Ob es sich dann um Polo handelt oder um Fußball, das ist wissenschaftlich letztlich egal, es kommt nur darauf an, eine geeignete Methode zu finden, die sportartspezifische Wirklichkeit mathematisch abzubilden und deren Besonderheiten Rechnung zu tragen.

PACE: Was sind denn  in diesem Sinn  die Besonderheiten des Polo?
Tiemann: Während meiner Zeit an der University of Iowa lernte ich jemanden kennen, der selber aktiv spielt und der mir das Handicapsystem sowie die Pro-Am-Besonderheit des Polo erklärt hat. Der Umstand, dass Anfänger und Poloprofis im selben Team spielen können, ist in einer Mannschaftssportart nach meiner Kenntnis einzigartig. Es gilt daher zunächst, die Zusammensetzung der Teams zu analysieren, um so eher Aussagen über die tatsächliche Spielstärke im konkreten Turnier zu treffen. Absolut wird die Spielstärke ja durch das Handicap angezeigt. Ein Ranking im Amateurbereich soll ja aber etwas anderes sichtbar machen: Wie stark spielt der Spieler für seine Verhältnisse, für sein Handicap? Wie teamorientiert und fleißig zeigt er sich auf Turnieren? Darüber sagt ein Handicap ja wenig aus.

PACE: Früher gab es in Deutschland ja die DPV-Rangliste?
Tiemann: Die man dann aber mit guten Gründen abgeschafft hat. Ranglisten, die allein auf den Erfolgen der Teams aufbauen, denen der einzelne Spieler bei einem Turnier jeweils angehörte, ohne deren jeweilige Zusammensetztung zu analysieren, tragen der oben angesprochenen Pro-Am-Problematik keine Rechnung. Im Klartext: Wenn ich mich jetzt spontan entscheide, Reiten zu lernen, und sobald ich mich auf einem Pferd festhalten kann, Vollprofis buche und Turniere spiele, dann kann ich schon 2010 ohne einen einzigen Ballkontakt Deutscher Meister werden, weil es halt an der Differenzierung fehlt, wie der Erfolg zustande kam.

PACE: Die Rangliste der World Polo Tour differenziert aber auch nicht.
Tiemann: Richtig, aber die ist ja auch für Spitzenturniere konzipiert, bei deren teilnehmenden Teams das Leistungsniveau insgesamt wesentlich höher ist. Anders gesagt: Auf diesen Turnieren würde man mich eher nicht mitspielen lassen. Die angesprochene Differenzierung ist also vor allem da erforderlich, wo Spieler sehr unterschiedlicher Spielstärke in einem Team sind wo Handicap-Heterogenität herrscht, wenn Sie so wollen.

PACE: Und wie bildet man diese Heterogenität nun ab?
Tiemann: In meinem Modell vor allem über die Gewichtung einiger Faktoren. Da sind zunächst die äußeren Umstände eines Poloturniers: Wie viele Teams mitspielen, und welches maximale Teamhandicap zugelassen ist, darauf hat der einzelne Spieler keinen Einfluss. Dennoch ist das für den Wert einer Platzierung relevant: Sich in einem Teilnehmerfeld von 8 Mannschaften durchzusetzen ist schwieriger, anstrengender, zeitaufwendiger und letztlich unwahrscheinlicher im statistischen Sinne als ein Turnier mit nur 4 Teams zu gewinnen, das muss man berücksichtigen. Diese Faktoren, die vom Spieler unabhängig sind, nenne ich in meinem Modell den exogenen Score.

PACE: Damit ist aber noch nichts über Heterogenität ausgesagt?
Tiemann: Stimmt, der exogene Score legt zunächst nur fest, was für die Spieler in einem bestimmten Turnier theoretisch an Punkten zu holen ist. Was das praktisch dann für den Einzelnen bedeutet, wird erst durch den endogenen Score bestimmt, über Faktoren also, die nichts mit dem Turnier, sondern mit dem einzelnen Spieler und seinem Team zu tun haben. In meinem Modell spielt neben der konkreten Platzierung  Sieg, Finalteilnahme, dritter Platz etc.  die Streuung der Teamhandicaps eine zentrale Rolle: Haben alle Spieler das gleiche Handicap, dann gibt es keine Streuung. Eine maximale Streuung hingegen besäße ein Team, bei dem zwei Spieler mit -2 gehandicapt sind, während die beiden anderen eine +10 spielen: Smax = 6.928. Auf diesem und anderen Werten aufbauend kann man jeweils entscheiden, wie die Faktoren gewertet und gewichtet werden sollen, aber das ist schon keine eigentlich statistische Aufgabe mehr.

PACE: Wir haben uns mit PIA, dem Polo Index der Amateure, dazu entschieden, Leistungshomogenität zu belohnen. Grosse Unterschiede in den Handicaps führen dazu, dass niedrig gehandicapte Spieler weniger Punkte für eine gute Platzierung erhalten, wenn sie mit wesentlich stärkeren Spielern ein Team bilden, aber auch mehr Punkte, wenn sie mit etwa gleich starken Mitspielern angetreten sind.
Tiemann: Das erscheint mir logisch, denn in einem solchen Fall spricht viel dafür, dass in einem Team der gebuchte Profi ungleich mehr zur guten Platzierung beigetragen hat als der Amateur mit seiner geringeren Spielstärke.

PACE: Ist PIA denn schon perfekt und unveränderlich?
Tiemann: Wahrscheinlich nicht perfekt, und ganz sicher nicht unveränderlich. Bei der Beschreibung einer komplexen Wirklichkeit muss sich eine Methode zunächst in der Praxis bewähren, und sich zudem auch an veränderte Wirklichkeiten und deren Dynamik anpassen lassen. Wenn also die Ergebnisse einer Saison nicht plausibel sein sollten und den gefühlten Turnierleistungen der Spieler deutlich widersprächen, müsste man nachsteuern.

PACE: Stichwort gefühlte Turnierleistung: Sie haben PIA mit den Ergebnissen der letzten 11 Turniere des vergangenen Jahres gefüttert, vom Polo Masters auf Sylt über die drei Deutschen Meisterschaften bis zum Silver Cup des Rhein Polo Club. Wer waren denn  auf dieser Basis  die besten deutschen Amateurspieler des Jahres 2009?
Tiemann: Nach meiner Berechnung wäre das ein Herr Mark Pantenburg mit einem PIA-Score von genau 333 Punkten und damit einem deutlichen Vorsprung von 93 Punkten vor Herrn Sven Schneider mit 240 Zählern, knapp vor Herrn Christopher Winter mit einem PIA-Score von 230. Passt das zu dem persönlichen Eindruck, den man als genauer Beobachter der Spielsaison gewonnen hat?

PACE: Oh, absolut!
Tiemann: Das freut mich.

PACE: Herr Professor Tiemann, vielen Dank für das Gespräch!

(Nachdruck von PACE proudly presents PIA aus: PACE Polomagazin, Ausgabe 1/2010)

In diesem Zusammenhang wird von Christopher Kirsch und von Diedrich

Haesen vorgeschlagen und dann beschlossen, dass das derzeitige Spieler

Rankingsystem von Iris Hadrat ausgesetzt und neu definiert wird.